Marrakesch – 1. Tag – Ankommen, Unterkunft und Djema El Fna

Hallo Ihr Lieben,

endlich habe ich mir die Zeit nehmen können, über meine letzte Reise zu schreiben. Diese ging mit zwei Freundinnen nach Marokko und zwar genauer nach Marrakesch. Eine traumhafte Stadt und eine tolle Reise.

Marrakesch ist eine der vier alten Königsstädte von Marokko und wurde im 11. Jahrhundert gegründet. Aufgrund der Farbe der Häuser wird sie auch „die Rote“ genannt.

Aber mal zurück zum Anfang: Für Marrokko braucht man einen Reisepass, der noch mindestens 6 Monate gültig ist. Bei der Einreise muss man ein kleines Zettelchen ausfüllen, das kann man normalerweise im Flugzeug erledigen. Die Crew von Eurowings hatte aber aus Versehen oder Doofheit die Zettelchen für Tunesien eingepackt. Machte ja nix, in der Halle sind mehrere Stehtischchen, an denen man das erledigen kann. Stift sollte man aber mitbringen. Dann stellt man sich in die Schlangen für die Passkontrolle und kommt direkt mit marokkanischer Lebensart in Berührung. Eilig hat es irgendwie keiner von den Jungs an der Einreisekontrolle, zügig arbeiten – Fehlanzeige. Für ein Schwätzchen mit dem Kollegen ist immer Zeit. Na gut, wir sind ja auch im Urlaub.

Als nächstes sollte man direkt auf die Bank in der Flughafenhalle zusteuern (ist ein rundes Ding mit mehreren Schaltern, nicht zu übersehen). Denn eine Besonderheit gibt es in Marokko: man darf weder marokkanisches Bargeld ein- noch ausführen. Das heißt auch, dass man in Deutschland keine Marokkanischen Dirham (abgekürzt MAD) kaufen kann. Deswegen erster Weg zu diesen menschlichen Bankautomaten. Denn mehr ist das eigentlich nicht: man kann da wie am Automaten mit der ec-Maestro-Karte oder der Kreditkarte Geld abheben. Nur dass nicht der Automat das Geld zählt und herausgibt, sondern ein Mensch. So kann man auch Arbeitsplätze erhalten… In der Stadt gibt es auch normale Geldautomaten (z.B. auf dem Djema el Fna, neben der Post).

Nun mit Bargeld versorgt verließen wir den Sicherheitsbereich des Flughafens und haben dann in einem Pulk von 50 Fahrern doch recht schnell unseren vorbestellten Chauffeur gefunden. Diesen hat uns unser Vermieter besorgt. Die Fahrt hat umgerechnet ca. 15 Euro gekostet. Taxi bekommt man vermutlich günstiger, aber die Autos sind zum Teil sehr klein. so dass es mit Gepäck und drei Leuten doch etwas knapp geworden wäre.

Der Fahrer war sehr freundlich, sprach neben französisch auch englisch und ein bisschen deutsch. Der Flughafen liegt nicht weit außerhalb, auf der Fahrt in die Stadt kommt man dann mit einem weiteren Merkmal marokkanischer Lebensart in Kontakt: der Verkehr. Fahrspuren sind dort nur freundliche, aber unverbindliche Empfehlungen, jeder fährt gerade da wo Platz ist und quetscht sich quer in jede freie Lücke. Und dazwischen gurken die vielen Moped-Fahrer (ohne Helm natürlich) durch die letzten Lücken. Erscheint jemanden, der an geordneten deutschen Straßenverkehr gewöhnt ist total verrückt, chaotisch und lebensgefährlich, aber was solls. Unser Fahrer hat uns dann am Rande der Medina (Altstadt) rausgelassen. Diese ist nämlich in weiten Teilen nicht mit dem Auto befahrbar, da die Gassen zu schmal sind. Wir wurden dort zum Glück abgeholt von unserem Hausverwalter, Monsieur Momo (eigentlich Mohammed, aber so hat er sich vorgestellt). Dieser hat uns dann durch das Gewirr der Gassen und das Menschengewimmel zu unserem Riad (Gästehaus) gelotst, das sich in einem alten Stadhaus befand. Allein der Gang durch die Gassen hat uns total mit Eindrücken überfrachtet. Die vielen Menschen, die unvermeidlichen Mopeds, die trotz des Gedränges durch die Gassen fahren, alte Männer mit Eselskarren, die kleinen vollgestopften Läden, die exotischen Gerüche nach Gewürzen und Essen, der Lärm…

Aus diesem Gewimmel bogen wir dann ab in ein Labyrinth von engen Gassen und standen dann bald vor der Tür des Riads. Koffer über die Schwelle gehoben, Tür zu und auf einmal: Stille, die nur unterbrochen wurde vom Plätschern eines Springbrunnens.

Frische Luft mit einem Hauch Minze. Durchatmen. Und dann zeigte sich echte marokkanische Gastfreundschaft. Erstmal hinsetzen und Pfefferminztee trinken. Den bekommt man dort wirklich überall und er schmeckt köstlich, da er in der Regel mit frischer Minze zubereitet wird. Thé à la menthe auf französisch. Mit einem Augenwinkern wird er auch als marokkanischer Whisky bezeichnet, denn Alkohol ist eher selten anzutreffen.

Da saßen wir nun, lauschten dem Springbrunnen und der Stille, guckten auf die Zitronenbäumchen im Innenhof und schlürften unseren Pfefferminztee. Könnte einem schlechter gehen.

Nach dieser kleinen Verschnaufpause ging es dann ins Haus. Ein altes Haus, aber liebevoll und sorgsam renoviert. Fahrstuhl war natürlich Fehlanzeige, aber nachdem wir unsere Koffer in den zweiten Stock gewuchtet hatten, wurden wir mit dem Appartment mit Dachterrasse und einem traumhaften Blick über Marrakesch belohnt. Als wir oben waren, ging gerade die Sonne rotglühend unter und die Muezzins riefen von den Türmen der Moscheen zum Gebet. Traumhafter Blick, diese tollen Farben und diese traumhafte, exotische Atmosphäre, wir waren ganz verzaubert.

Nach Auspacken und ein wenig Erfrischung im sauberen und zweckmäßig eingerichteten Appartment machten wir uns dann auf, um etwas zu essen. Der Bummel durch den Souk der Medina war berauschend, aber auch ein bisschen stressig. Sobald man nur in Richtung der ausgestellten Sachen guckt, hat man den Besitzer des Ladens an der Seite, der einen dazu bewegen will den Laden zu betreten und etwas zu kaufen. Ein höfliches „Nein, danke“ reicht da leider nicht, da hilft nur, stumpf geradeaus schauend und reaktionslos durchzumarschieren, wenn man vorankommen will. Als wir auf dem berühmten Platz „Djema el Fna“ ankamen, wiederum 1000 Eindrücke, die auf uns einprasselten. Schlangenbeschwörer, Hennamalerinnen, Verkäufer, Essensstände, soweit das Auge reicht. Allerdings ist es auch hier etwas schwierig, in Ruhe herumzuschlendern und sich umzuschauen, da man auf Schritt und Tritt von Kellnern angesprochen und schon fast bedrängt wird, sich gerade an ihren Essensstand zu setzen. Alles ein bisschen anstrengend. Wir haben dann erstmal am Rande des Platzes einen frisch gepressten Granatapfelsaft getrunken (umgerechnet 1 Euro). Und zack hatte ich eine Hennamalerin an der Hand, die sich meinen Arm griff und losgemalt hat. Okay, buchen wir das mal unter Erfahrungen ab… Man muss da echt aufpassen wie ein Luchs. Dann hatten wir aber Hunger und haben uns an einen Stand gesetzt und uns einmal die Speisekarte rauf und runter gefuttert. Es war wirklich köstlich und für unsere Verhältnisse auch nicht teuer, aber viel zu viel. Als unser Kellner dann fragte, ob wir die Reste den Armen geben wollten, haben wir ihn erst nicht richtig verstanden, aber als ich mich dann umschaute, sah ich schon eine Frau und ein kleines Mädchen warten, die dann das ganze Essen, das übrig geblieben war, in Plastiktüten packten. Herrje, das hatte ich irgendwie nicht erwartet. Man wundert sich dann irgendwie gar nicht mehr, dass diese Leute ein besseres Leben woanders suchen.

Vielleicht noch eine Anmerkung zum Essen: allgemein wird ja empfohlen, keine Rohkost zu essen, da man nicht weiß, mit welchem Wasser das Gemüse/der Salat/das Obst gewaschen wurde. Aber dann entgehen einem wirklich leckere Speisen. Wir haben uns getraut und hatten auch keine Probleme mit Magen-/Darmsachen. Was ich darüber hinaus aber vorsichtshalber empfehlen möchte ist eine Hepatitis-A/B-Impfung. Macht Euch da mal schlau bei Eurer Ärztin/Eurem Arzt.

Aber zurück zum Abenteuer, es ging nämlich noch weiter. Mutigerweise wollten wir einen anderen Weg zum Riad zurückgehen und haben uns dann heillos im nun größtenteils geschlossenen Souk verlaufen. Obwohl eine meiner Freundinnen bis heute behauptet, wir wären auf dem richtigen Weg gewesen 🙂 Naja, wir trafen jedenfalls einen Straßenkehrer, der uns erklärte, dass am Abend an bestimmten Stellen die Tore geschlossen werden (so habe ich es zumindest verstanden, sein Französisch hatte doch einen starken Akzent und mein Französisch ist ja auf Schulniveau steckengeblieben^^). Er fing dann an, mit ein paar Männern, die in einem Schusterladen noch arbeiteten, wort- und gestenreich zu diskutieren und dann kam ein anderer Typ, schloss das Tor auf und der Straßenkehrer brachte uns an die Gasse, von der dann unser Labyrinth abging.

War ziemlich abenteuerlich, denn so genau weiß man ja nicht, ob man nun für 10 Kamele verkauft wird oder einem die Leute nur helfen wollen. Und ich muss aus dieser und anderen Erfahrungen auf der Reise sagen: die Leute dort sind wirklich sehr hilfsbereit und wir einfach nur sehr misstrauisch. Angst hatten wir nie, wir waren ja aber auch zu dritt. Jedenfalls habe ich dran gedacht, dem Straßenkehrer ein Trinkgeld zu geben, was sich ja so gehört und dann waren wir auch schon im Riad und fielen voller Eindrücke ins Bett.

Noch ein paar Worte zur Unterkunft, von der ich wirklich total begeistert bin:

„Riad Zikhalifa“ über Booking.com gebucht, dort als „Riad Si Khalifa“. Ziemlich günstig für dieses Niveau und super zu empfehlen, wir haben zu dritt (drei Nächte) das Dachterrassenappartment 312 Euro inkl Frühstück und Touristengebühr bezahlt. Bezahlen geht nur in Bargeld (Euro oder Dirham, das ist egal). Der Kontakt im Vorfeld lief über Monsieur Rida, der nicht im Haus wohnt, aber vorbeischaut und sehr gut englisch spricht. Monsieur Momo wohnt mit seiner Frau im Haus und hilft in allen Lebenslagen, allerdings spricht er nicht so viel Englisch, mit Schulfranzösisch und google-Übersetzer kamen wir aber sehr gut zurecht. Es gibt auch eine Website, nur auf Französisch und leider nicht so umfangreich.

Adresse: 17, Quartier Sidi Abdelaziz, Derb Ouaihah, Marrakech

Ich kann nur empfehlen nicht in einem Hotel, sondern in einem Riad zu übernachten. Diese alten Häuser haben so einen besonderen Charme. Und dann mitten in der Medina und nicht außerhalb. Man hat dann das ganze Abenteuer direkt vor der Haustür, ich fands richtig toll.

Und das war erst der erste Tag, ich hoffe, Ihr freut Euch auf den zweiten 🙂

Alles Liebe

Julia

7 Gedanken zu “Marrakesch – 1. Tag – Ankommen, Unterkunft und Djema El Fna

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